FIZ Technik in Frankfurt meldet vorläufige Insolvenz an
Knoten aus dem Netz
geschnitten, fällt das Ganze
formlos zu Boden.
Dieser ärgerliche Vorgang - einem gesunden Unternehmen, das die wichtigsten Industriezweige unseres Landes bedient, werden Knall auf Fall Fördergelder entzogen - hat mich glatt zum Verfassen meines ersten (Pseudo)-Haikus gebracht.
Was ist geschehen? Das FIZ Technik gehört zu einem Netz von Informationsdienstleistern, zusammen mit dem FIZ Chemie Berlin, dem FIZ Karlsruhe und der TIB Hannover. Es bedient vor allem Elektrotechnik und Maschinenbau. Kurzfristig geht es um eine gute Million Euro Förderung (siehe den Artikel auf Heise.de).
Manche meinen, hier werde klammheimlich gespart, an einer Stelle, an der die Zahl der Protestierenden eher klein bleibt.
Mein Vorschlag ist, das eine oder andere Glasdach in Berlin undicht zu lassen. Plastikeimer gibt’s für wenige Cent. Die Behebung der Planungsfehler an einem einzigen Dach ist schon teurer als alle Fördergelder, die dem FIZ Technik bis 2012 zugesagt worden sind (ab da sollte es sich selbst tragen). Eine funktionierende Informationsstruktur gereicht uns ebenso zur Ehre wie Regierungsglaspaläste.
Der Bund ist ja gezwungen, noch kleineren Beträgen hinterherzujagen, aber mal ehrlich - dem FIZ Technik die Fördergelder zu entziehen, das ist, als würde ich mir die Hände abhacken, damit mein Körper weniger Kalorien verbraucht, weil ich nicht genug Geld für Lebensmittel habe.
Aber wenigstens ist das nichts Neues, und nicht auf Deutschland beschränkt:

Juli 29th, 2010 at 06:51
Entschuldigen Sie bitte!
Z.B. habe ich bei der FIZ Chemie das Gefühl, dass die “Dienstleistungen”, die das FIZ erbringt, genauso gut von privaten Anbietern erbracht werden. Eine Subvention der FIZ in Berlin widerspricht daher jeglichen Subventionsrichtlinien (Stichwort: Europa-Recht).
Datenbanken mit Stoffeigenschaften, Reaktionsdatenbanken. Alles ist bereits auf dem Markt erhältlich. Mit “Chemgapedia” konkurriert die FIZ Chemie sogar Wikipedia. Völlig sinnlos.
Nein, es ist nicht nur Verschleuderung von Steuergeldern, sondern bereits illegales Eingreifen in den Wettbewerb seitens des Deutschen Staates…
August 3rd, 2010 at 13:25
Man kann natürlich der Ansicht sein, dass der Staat sich aus allem heraushalten soll, wo er sich nicht zwingend einmischen _muss_. Dann würden die Betriebe der Pharmaindustrie die Aufgaben des Paul-Ehrlich-Instituts übernehmen, es gäbe ausschließlich Privatschulen, nur private Krankenversicherungen usw. usf. Man kann sich darüber streiten, ob das sinnvoll ist, ich meine allerdings, nein.
Außerdem können Sie absolut nicht Wikipedia mit CAPLUS oder ähnlichen, über die FIZentren zugänglichen Datenbanken vergleichen, das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Die Leistungen der FIZentren bestehen zudem nicht allein darin, dass dort Recherchen durchgeführt werden, sondern es werden auch Strukturen bereitgestellt und gepflegt, damit die verschiedenen Datenbanken möglichst effizient erreichbar sind. Sie bieten eine gewisse Gewähr dafür - soweit dies theoretisch möglich ist - dass die dort angebotenen Informationen richtig sind.
Man kann nun beigehen und alles dem freien Markt überlassen, aber selbst dann braucht es Institutionen, die sicherstellen, das bestimmte Standards eingehalten werden. Was sollte sonst z. B. mich davon abhalten, Informationen wahllos etwa aus Foren und P2P-Netzen zusammenzutragen und in Form einer Datenbank auf dem Markt feilzubieten? Freiwillige Selbstkontrolle? Guten Morgen! Das wäre ungefähr so, als würden Sie das BfArM abschaffen und es ganz allein der Pharmaindustrie überlassen, was sie auf den Markt wirft.
Nun habe ich nichts gegen die Pharmaindustrie oder gegen Leute, die Recherchen in DETHERM in Eigeninitiative feilbieten, aber ich bin doch froh, dass es Stellen gibt, die für gewisse Regeln und Standards stehen. Es macht die Arbeit in vielerlei Hinsicht leichter. Sie kaufen wahrscheinlich Ihre Medikamente auch nicht an der Straßenecke und lassen sie vor dem Einnehmen dann sicherheitshalber analysieren.